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26.04.2018 17:51:54


Geschichte



Kapelle und Helgenstöckli
Die Kapelle Altwis wurde 1902 erbaut. Sie steht am Südwestrand des Dorfkerns an der Kantonsstrasse gegen Hitzkirch.

Am 12. Juni 1870 besprach man an der Gemeindeversammlung in Altwis den Bau einer neuen Kapelle. Laut Protokoll befand sich die damalige Kapelle (heute würde man dies als „Bildstöckli“ bezeichnen) in sehr schlechtem Zustand, es sollte eine neue gebaut werden und zwar dort wo die alte steht. Eine siebengliedrige Baukom-mission, unter dem Präsidenten Zimmermann Müller, wurde gewählt. Eine Liebesgaben-Sammlung unter der Bevölkerung, auch in Hitzkirch, sollte die nötigen Mittel beschaffen.

Standort
Es gab zwei mögliche Standorte: Der eine da, wo die Kapelle heute steht, der andere mitten im Dorf neben dem alten Spritzenhaus, das dem Kantonsstrassenbau 1967 weichen musste. Aus dieser Situation heraus bildeten sich bald zwei Parteien, von denen keine bereit war, nachzugeben.

Gemäss einem urkundlichen Vertrag, datiert vom 24. April 1896, überliessen Frau Witwe Saxer und ihre zwei Söhne Adolf und Johann der Gemeinde unentgeltlich das nötige Bauland zur Erbauung der neuen Kapelle in der “Schöpfimatte‘1, das Grundstück, auf dem sie heute steht. Eine Bedingung hierzu wurde allerdings gestellt: Die neue Kapelle solle doppelt so gross werden wie die alte und weiter westlich der Strasse gebaut werden. Trotz diesem Angebot der Baulandschenkung konnte man sich aber an der Gemeindeversammlung vom 26. April 1896 noch immer nicht auf einen Standort einigen.

Am 14. Februar 1897 stand der Neubau einer Kapelle wieder als Traktandum der Gemeindeversammlung. Der Präsident der Baukommission trat zurück. Die Bau-kommission wurde um vier Mitglieder auf elf erhöht. Erneut wurde über den Standort gestritten, und zwar mit solcher Heftigkeit, dass der Gemeindepräsident mit Rücktritt aus der Behörde drohte. Er ermahnte die Bürger zur Einigkeit und hob die Versammlung auf, ohne über den Standort der Kapelle abstimmen zu lassen.

Die folgenden Jahre schienen Einsicht und Einigkeit gebracht haben. Jetzt aber zeigten sich ernst zu nehmende finanzielle Probleme. Im Jahre 1900 wurde beschlossen, den Neubau noch um ein Jahr aufzuschieben, die Liebesgabensammlung jedoch zu intensivieren. Auch ein Benefiz-Theater im Rössli sollte Geld bringen.

Pläne zum Kapellenbau sind im alten Schulhaus hinter Glas zu besichtigen. Sie wurde im neugotischen Stil erbaut. Detaillierte Baubeschreibungen für die Handwerker liegen im Gemeindearchiv. Nach dieser Beschreibung hatte der Altwiser Zimmermann Müller den Glockenstuhl und die Turmarbeiten zu errichten:
«Der Glockenstuhl ist aus Eichenholz und der Grösse des Glöckleins entsprechend auszuführen.»

Über diesen Artikel stolperte der Zimmermann. Als das erste Mal geläutet wurde, schlug das Glöcklein die senkrecht angefertigten Jalousieläden weg. Das war Pech für den Zimmermann, den Leuten vom Dorf aber bot es Stoff für spöttisches Gerede. Müller war nicht so sehr verlegen und verfertigte neue Jalousieläden, diesmal allerdings runde, nach aussen gewölbte, damit die Glocke frei schwingen konnte. Die Kosten für die neue Kapelle wurden zu 2/3 von der Polizeigemeinde und zu 1/3 von der Waisengemeinde übernommen. Von der Einweihung des Neubaus ist weder ein Datum, noch der Name eines kirchlichen Würdenträgers, der die Weihe vornahm, auszumachen. Selbst im Pfarreiarchiv in Hitzkirch kann man nichts finden. Wurde deshalb in Altwis während Jahrzehnten keine Kapellenweihe (Kilbi) gefeiert?

Kapellenrenovation
Im Jahre 1980 hat man die Kapelle in Altwis renoviert. Auf der Ostseite über dem Eingang wurde neu ein kleines Vordach angebracht. Der Altar mit der Gottesmutter und den Statuen des heiligen Josef und des heiligen Wendelin sind geblieben. Der Boden wurde erneuert und neue bequemere Bänke eingebaut. Die Fenster sind neu, eine Heizung wurde eingerichtet und das täglich dreimalige Betläuten elektrifiziert. Die Malereien auf den beiden Seitenfenstern erinnern an den Missionsbischof Anastasius Hartmann (1803-1866), Bürger von Altwis. Die vom Kerzenrauch stark verdunkelten Innenwände leuchten heute wieder weiss. Der Turm sieht nicht mehr gleich aus, weil die gerundeten Jalousien wieder durch gerade ersetzt wurden.

Kapellenweihe
An einem strahlenden Sonntagvormittag am 22. Juni 1980 weihte der Pfarrer von Hitzkirch Willi Hofstetter die Kapelle ein. Auf dem Vorplatz feierte man anschliessend mit der Bevölkerung des Dorfes die Eucharistie.

Seit der Liturgieerneuerung in der katholischen Kirche, darf in dieser Kapelle auch das heilige Messopfer gefeiert werden. Heute wird hier alle zwei Wochen ein Gottesdienst gefeiert. Hin und wieder gestalten die Lehrpersonen mit den Schulkindern unseres Dorfes diesen Gottesdienst.

Alljährlich halten Feuerwehr, Schützengesellschaft und die Käsereigenossenschaft Gedächtnisgottesdienste für verstorbene Mitglieder.

Bei jedem Todesfall eines Dorfbewohners wird das Sterbegebet, das früher im Wohnhaus der Verstorbenen gehalten wurde, an zwei Abenden in der Kapelle gehalten. Jahrzehntelang wurde ein Psalter, heute noch ein Rosenkranz gebetet.

Jeden Abend beim Betzeitläuten finden sich in der Kapelle ein paar Frauen aus dem Dorf zusammen, um gemeinsam den Rosenkranz zu beten.
Jahraus, jahrein, jeden Tag drei Mal ruft uns das Glöcklein zu einer kurzen Besinnung auf. — Hören wir das?
Siegristinnen (Sakristane)

Zur neu erbauten Kapelle wurde ein Siegrist gewählt. Die Verpflichtungen desselben sind in einem Reglement festgehalten. Drei Personen bewarben sich um dieses Amt. Gewählt wurde Jakob Wegelin, Schuhmacher im Krauerhaus. Im Pflichtenheft, das ihm übergeben wurde, war auch die jährliche Entlöhnung von damals Fr. 80.-. festgehalten.

Folgende Personen haben seit 1902 dieses Amt versehen:
  1. Jakob Wegelin, Schuhmacher
  2. Josef Wermelinger, Tagelöhner
  3. Witwe Wermelinger
  4. Verena Taddei-Kretz
  5. Anton Fessler-Muff
  6. Josefine Schriber-Muff
  7. Margrith Eberli-Müller, seit 1. Oktober 1984

Helgenstöckli
Ein “Helgenstöckli“ oder Bildstöckli. Was ist das? Helge nennt man ein Heiligenbild. Ein „Helgenstöckli“ ist also ein Heiligenbild auf einem Stock (Grundstein oder Pfeiler) aufgebaut. In unserem Dorf kennen wir noch ein weiteres, das auch “Wendelinstöckli“ genannt wird. Es steht dort wo sich die Strasse Richtung Hämikon und Schongau gabelt. Dieses aus dem Jahre 1820 stammende kleine Monument wurde 1992 von der Gemeinde sehr gediegen restauriert und anlässlich unserer Kilbi neu geweiht.
Ein weiteres kleines Helgenstöckli wurde beim Kantonsstrassenausbau 1967/68 entfernt. Es stand nördlich der Strasseneinmündung aus Ermensee/Mosen in die Kantonsstrasse. Nach alten Grundstückbeschreibungen dürfte an der südlichen Gemeindegrenze gegen Hitzkirch noch ein Helgenstöckli gestanden haben. Das Grundstück heisst Helgenstöckli-Acher.
Sinn und Ursprung solcher Bildstöckli können verschieden sein. Der heilige Wendelin gilt als Beschützer unseres Viehs, und dank ihm hoffte man, dass unser Vieh von Krankheiten verschont bleibe. Aber auch Unglücksfälle, Überschwemmungen, Dürrejahre usw. welche besonders aus der Mitte des 19. Jahrhundert in Erinnerung blieben, führten zu solchen Gelübden und zeigten die Volksfrömmigkeit.

Dorf- und Wegkreuze stehen auf dem Spickel einer Strassenverzweigung, zum Bei-spiel dort wo die alte in die neue Kantonsstrasse von Hitzkirch (Vorderdorf, Familie Elmiger) führt. Dieses Kreuz wurde 1939 erneuert, als der Hof von der Maul- und Klauenseuche verschont geblieben war.

Das Dorfkreuz, mit dem Erstellungsjahr 1886 in römischen Ziffern, stand vor der
Strassenkorrektion auf der gegenüberliegenden Seite, dort wo heute der Verkehrsteiler liegt. Jeweils zu Christi Himmelfahrt wurde das Gras um den Sockel abgemäht und zur Zierde zwei lange Buchenäste mit frisch ausgetriebenem Laub an das Kreuz gelehnt.
Bevor unsere Kapelle erbaut war, besammelten sich an jedem Monatssonntag - das war der erste Sonntag des Monats - die Bewohner unserer Gemeinde nachmittags um 1 Uhr beim Dorfkreuz. Mit Kreuz und Fahne voraus pilgerte die Gruppe den Ro-senkranz betend hinauf zum Wendelinstöckli und wieder zurück zum Kreuz. Das Gelübde, das diesem Bittgang zu Grunde liegt, ist uns nicht überliefert.

Wegkreuze, die an Verzweigungen oder an den Strassen standen, wurden früher immer gegrüsst. Der Fuhrmann oder Wanderer, der sich entfernte, glaubte Schutz und Segen auf seinen Weg zu bekommen, wenn er mit kurzem Abheben der Kopf-bedeckung oder sich bekreuzigend, dem heiligen Bild seine Referenz erwies.


03.02.2014/Toni Eberli/Alois Hartmann/ep

Eines der schönen Kapellenfenster